Fachwissen › Wendeplatten
Bei einem modularen Schnellwechselsystem bleibt der Schaft in der Maschine, nur der Werkzeugkopf wird getauscht. Das verkürzt die Rüstzeit und hält die Masshaltigkeit, weil die Einstellung des Schafts unverändert bleibt.
Ein modulares Schnellwechselsystem besteht aus zwei Teilen: einem Schaft, der fest im Werkzeugträger der Maschine sitzt, und einem Wechselkopf, der die Wendeschneidplatte trägt. Beim Werkzeugwechsel wird nur der Kopf gelöst und ersetzt. Der Schaft bleibt in seiner Position, einschliesslich seiner Einstellung in X und Z.
Beim herkömmlichen Aufbau wird der ganze Halter ausgebaut. Danach muss das Werkzeug neu vermessen und eingestellt werden. Genau dieser Schritt entfällt beim modularen System.
Langdrehautomaten mit Führungsbuchse fertigen kleine, komplexe Teile in grosser Stückzahl – typisch für Medizintechnik, Automobilbau, Luftfahrt und Elektronik. Auf einer solchen Maschine stehen viele Werkzeuge auf engem Raum. Jeder Werkzeugwechsel kostet Maschinenzeit, und bei Losgrössen im Tausenderbereich schlägt schon eine Abweichung von wenigen Hundertstel auf die ganze Serie durch.
Zwei Anforderungen stehen deshalb im Vordergrund: schneller Werkzeugwechsel und verlässliche Wiederholgenauigkeit. Ein modulares System bedient beide.
Die Masshaltigkeit bleibt erhalten, weil die Bezugsfläche nicht angetastet wird. Der Schaft definiert die Lage des Werkzeugs zur Spindel. Solange er sitzt, verändert ein Kopfwechsel diese Lage nicht. Beim Wechsel des kompletten Halters dagegen entsteht jedes Mal ein neuer Spannvorgang mit eigener Toleranz.
Der Unterschied liegt in der Klemmung und in der Kühlmittelführung. KORLOY führt die beiden Ausführungen seiner AMH-Serie als APM und AGM:
| Merkmal | APM (Premium) | AGM (General) |
|---|---|---|
| Klemmung | Verstärkte Klemmstruktur zur Schwingungsdämpfung | Einfache, robuste Schnellspannung |
| Innenkühlung | Ja, Ausführung KHP, auch ohne erhältlich | Nein |
| Einsatz | Höhere Anforderung an Oberfläche und Masshaltigkeit | Wirtschaftliche Alternative bei stabilen Verhältnissen |
Beide nutzen denselben Aufbau aus Schaft und Wechselkopf und dieselben Baugrössen.
Die AMH-Serie kennt drei Baugrössen: 10, 12 und 16. Die Zahl bezeichnet die Kopfgrösse. Die Schäfte sind quadratisch oder rechteckig und in zwei Längen erhältlich:
| Bezeichnung | H | B | BH | LF2 | LF3 |
|---|---|---|---|---|---|
| 10-1012F | 10 mm | 12 mm | 16 mm | 80 mm | 67 mm |
| 12-1212F | 12 mm | 12 mm | 16 mm | 80 mm | 67 mm |
| 12-1212H | 12 mm | 12 mm | 16 mm | 100 mm | 87 mm |
| 16-1616F | 16 mm | 16 mm | 19 mm | 80 mm | 67 mm |
| 16-1616H | 16 mm | 16 mm | 19 mm | 100 mm | 87 mm |
F steht für die kurze, H für die lange Ausführung. Bei der Ausführung mit Innenkühlung beträgt BH in Grösse 16 nicht 19, sondern 18 mm.
Fünf Kopftypen decken die gängigen ISO-Formen ab. Welche Platte passt, hängt ausschliesslich vom Kopftyp ab:
| Kopftyp | Einstellwinkel | Passende Platte | Schraube | Schlüssel |
|---|---|---|---|---|
| SVJBR/L-11 | 95°, Plattenwinkel 35° | VB..1103.. | KS-2503-T | KW-T8 |
| SVJCR/L-11 | 95°, Plattenwinkel 35° | VC..1103.. | KS-2503-T | KW-T8 |
| SVJPR/L-11 | 95°, Plattenwinkel 35° | VP..1103.. | KS-2503-T | KW-T8 |
| SVVBN/CN-11 | 72,5° | VB.. bzw. VC..1103.. | KS-2503-T | KW-T8 |
| SCLCR/L-09 | 95° | CC..09T3.. | KS-4008-T | KW-T15 |
| SDJCR/L-11 | 93° | DC..11T3.. | KS-4008-T | KW-T15 |
| SDNCN-11 | 62,5° | DC..11T3.. | KS-4008-T | KW-T15 |
R bedeutet rechts, L links, N neutral. Die Kopflänge LH liegt je nach Typ bei 22 oder 23 mm.
Der Schlüssel folgt immer derselben Reihenfolge. Beispiel für einen Kopf, APM12-SVJCR11-KHP:
| Stelle | Bedeutung |
|---|---|
| APM | Ausführung: APM = Premium, AGM = General |
| 12 | Kopfgrösse 10, 12 oder 16 |
| SVJCR11 | Kopftyp mit Einstellwinkel und Plattenform |
| KHP | Mit Innenkühlung (entfällt bei der Ausführung ohne) |
Beim Schaft, Beispiel APM12-1212F-KHP, stehen nacheinander die Kopfgrösse, die Schafthöhe, die Schaftbreite und mit F oder H die Länge.
Die Köpfe nehmen handelsübliche ISO-Platten auf. KORLOY nennt für die Serie fünf Spanbrecher:
| Spanbrecher | Auslegung | Einsatz |
|---|---|---|
| VP1 | Mittlere Zerspanung, verstärkte Schneidkante | Allgemeine Bearbeitung mit Standzeitreserve |
| MS | Mittlere Zerspanung, angefast | Stabilere Schneidkante bei unterbrochenem Schnitt |
| FS | Schlichten | Erste Wahl für die Spankontrolle beim Schlichten |
| KM | Grosse Schnitttiefe | Wenn mehr Material pro Schnitt abgenommen wird |
| KF | Angefast, Oberflächengüte | Wenn die Oberfläche Vorrang hat |
Es lohnt sich, sobald dasselbe Werkzeug häufig gewechselt wird oder viele Werkzeugvarianten auf wenigen Plätzen auskommen müssen. Ein Schaft trägt mehrere Kopftypen, das senkt den Lagerbestand an kompletten Haltern.
Es lohnt sich weniger, wenn eine Maschine lange dasselbe Teil fertigt und kaum umgerüstet wird. Dann trägt die höhere Anschaffung keinen Ertrag.
Ein Hinweis aus der Praxis: Die Rechnung geht über die Rüstzeit, nicht über den Werkzeugpreis. Wer zehnmal pro Woche umrüstet und dabei je zehn Minuten spart, gewinnt im Jahr rund 85 Maschinenstunden.
Meier Protech ist Schweizer Importeur für KORLOY. Die AMH-Serie ist über uns lieferbar; sie steht noch nicht im Webshop. Sagen Sie uns Maschine, Werkzeugplatz und Bearbeitung – wir nennen Ihnen die passende Baugrösse und die Kopftypen.
Im Sortiment finden Sie heute bereits das konventionelle Programm: Aussendrehhalter, Innendrehhalter und HM Wendeplatten.
Grundlage dieses Artikels ist die technische Mitteilung zur AMH-Serie von KORLOY (APM und AGM, englische Fassung). Alle Massangaben stammen aus dieser Quelle. Die Angaben zur Wirtschaftlichkeit sind allgemeine Überlegungen und keine Zusicherung.
Nennen Sie uns Werkstoff, Maschine und Bearbeitung. Wir sagen Ihnen, was wir einsetzen würden – auch wenn die Antwort lautet: bleiben Sie bei dem, was Sie haben.