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Fachwissen › Wendeplatten

Schnellwechselsysteme für Langdrehautomaten

Bei einem modularen Schnellwechselsystem bleibt der Schaft in der Maschine, nur der Werkzeugkopf wird getauscht. Das verkürzt die Rüstzeit und hält die Masshaltigkeit, weil die Einstellung des Schafts unverändert bleibt.

Was ist ein modulares Schnellwechselsystem für Langdrehautomaten?

Ein modulares Schnellwechselsystem besteht aus zwei Teilen: einem Schaft, der fest im Werkzeugträger der Maschine sitzt, und einem Wechselkopf, der die Wendeschneidplatte trägt. Beim Werkzeugwechsel wird nur der Kopf gelöst und ersetzt. Der Schaft bleibt in seiner Position, einschliesslich seiner Einstellung in X und Z.

Beim herkömmlichen Aufbau wird der ganze Halter ausgebaut. Danach muss das Werkzeug neu vermessen und eingestellt werden. Genau dieser Schritt entfällt beim modularen System.

Warum ist das gerade beim Langdrehen wichtig?

Langdrehautomaten mit Führungsbuchse fertigen kleine, komplexe Teile in grosser Stückzahl – typisch für Medizintechnik, Automobilbau, Luftfahrt und Elektronik. Auf einer solchen Maschine stehen viele Werkzeuge auf engem Raum. Jeder Werkzeugwechsel kostet Maschinenzeit, und bei Losgrössen im Tausenderbereich schlägt schon eine Abweichung von wenigen Hundertstel auf die ganze Serie durch.

Zwei Anforderungen stehen deshalb im Vordergrund: schneller Werkzeugwechsel und verlässliche Wiederholgenauigkeit. Ein modulares System bedient beide.

Wie wirkt sich der Kopfwechsel auf die Genauigkeit aus?

Die Masshaltigkeit bleibt erhalten, weil die Bezugsfläche nicht angetastet wird. Der Schaft definiert die Lage des Werkzeugs zur Spindel. Solange er sitzt, verändert ein Kopfwechsel diese Lage nicht. Beim Wechsel des kompletten Halters dagegen entsteht jedes Mal ein neuer Spannvorgang mit eigener Toleranz.

Was unterscheidet eine Premium- von einer Standardausführung?

Der Unterschied liegt in der Klemmung und in der Kühlmittelführung. KORLOY führt die beiden Ausführungen seiner AMH-Serie als APM und AGM:

MerkmalAPM (Premium)AGM (General)
KlemmungVerstärkte Klemmstruktur zur SchwingungsdämpfungEinfache, robuste Schnellspannung
InnenkühlungJa, Ausführung KHP, auch ohne erhältlichNein
EinsatzHöhere Anforderung an Oberfläche und MasshaltigkeitWirtschaftliche Alternative bei stabilen Verhältnissen

Beide nutzen denselben Aufbau aus Schaft und Wechselkopf und dieselben Baugrössen.

Welche Baugrössen gibt es?

Die AMH-Serie kennt drei Baugrössen: 10, 12 und 16. Die Zahl bezeichnet die Kopfgrösse. Die Schäfte sind quadratisch oder rechteckig und in zwei Längen erhältlich:

BezeichnungHBBHLF2LF3
10-1012F10 mm12 mm16 mm80 mm67 mm
12-1212F12 mm12 mm16 mm80 mm67 mm
12-1212H12 mm12 mm16 mm100 mm87 mm
16-1616F16 mm16 mm19 mm80 mm67 mm
16-1616H16 mm16 mm19 mm100 mm87 mm

F steht für die kurze, H für die lange Ausführung. Bei der Ausführung mit Innenkühlung beträgt BH in Grösse 16 nicht 19, sondern 18 mm.

Welche Kopftypen gibt es und welche Wendeplatte passt?

Fünf Kopftypen decken die gängigen ISO-Formen ab. Welche Platte passt, hängt ausschliesslich vom Kopftyp ab:

KopftypEinstellwinkelPassende PlatteSchraubeSchlüssel
SVJBR/L-1195°, Plattenwinkel 35°VB..1103..KS-2503-TKW-T8
SVJCR/L-1195°, Plattenwinkel 35°VC..1103..KS-2503-TKW-T8
SVJPR/L-1195°, Plattenwinkel 35°VP..1103..KS-2503-TKW-T8
SVVBN/CN-1172,5°VB.. bzw. VC..1103..KS-2503-TKW-T8
SCLCR/L-0995°CC..09T3..KS-4008-TKW-T15
SDJCR/L-1193°DC..11T3..KS-4008-TKW-T15
SDNCN-1162,5°DC..11T3..KS-4008-TKW-T15

R bedeutet rechts, L links, N neutral. Die Kopflänge LH liegt je nach Typ bei 22 oder 23 mm.

Wie liest man den Bestellschlüssel?

Der Schlüssel folgt immer derselben Reihenfolge. Beispiel für einen Kopf, APM12-SVJCR11-KHP:

StelleBedeutung
APMAusführung: APM = Premium, AGM = General
12Kopfgrösse 10, 12 oder 16
SVJCR11Kopftyp mit Einstellwinkel und Plattenform
KHPMit Innenkühlung (entfällt bei der Ausführung ohne)

Beim Schaft, Beispiel APM12-1212F-KHP, stehen nacheinander die Kopfgrösse, die Schafthöhe, die Schaftbreite und mit F oder H die Länge.

Welcher Spanbrecher für welche Bearbeitung?

Die Köpfe nehmen handelsübliche ISO-Platten auf. KORLOY nennt für die Serie fünf Spanbrecher:

SpanbrecherAuslegungEinsatz
VP1Mittlere Zerspanung, verstärkte SchneidkanteAllgemeine Bearbeitung mit Standzeitreserve
MSMittlere Zerspanung, angefastStabilere Schneidkante bei unterbrochenem Schnitt
FSSchlichtenErste Wahl für die Spankontrolle beim Schlichten
KMGrosse SchnitttiefeWenn mehr Material pro Schnitt abgenommen wird
KFAngefast, OberflächengüteWenn die Oberfläche Vorrang hat

Wann lohnt sich ein modulares System?

Es lohnt sich, sobald dasselbe Werkzeug häufig gewechselt wird oder viele Werkzeugvarianten auf wenigen Plätzen auskommen müssen. Ein Schaft trägt mehrere Kopftypen, das senkt den Lagerbestand an kompletten Haltern.

Es lohnt sich weniger, wenn eine Maschine lange dasselbe Teil fertigt und kaum umgerüstet wird. Dann trägt die höhere Anschaffung keinen Ertrag.

Ein Hinweis aus der Praxis: Die Rechnung geht über die Rüstzeit, nicht über den Werkzeugpreis. Wer zehnmal pro Woche umrüstet und dabei je zehn Minuten spart, gewinnt im Jahr rund 85 Maschinenstunden.

Wo bekommt man die Serie in der Schweiz?

Meier Protech ist Schweizer Importeur für KORLOY. Die AMH-Serie ist über uns lieferbar; sie steht noch nicht im Webshop. Sagen Sie uns Maschine, Werkzeugplatz und Bearbeitung – wir nennen Ihnen die passende Baugrösse und die Kopftypen.

Im Sortiment finden Sie heute bereits das konventionelle Programm: Aussendrehhalter, Innendrehhalter und HM Wendeplatten.

Grundlage dieses Artikels ist die technische Mitteilung zur AMH-Serie von KORLOY (APM und AGM, englische Fassung). Alle Massangaben stammen aus dieser Quelle. Die Angaben zur Wirtschaftlichkeit sind allgemeine Überlegungen und keine Zusicherung.

Frage offen geblieben?

Nennen Sie uns Werkstoff, Maschine und Bearbeitung. Wir sagen Ihnen, was wir einsetzen würden – auch wenn die Antwort lautet: bleiben Sie bei dem, was Sie haben.

071 913 70 90

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